Tremosine: Kultur : Transportmittel Strassen :

Transportmittel, Straßen

Fϋr die Entwicklung einer so isoliert Gemeinde wie Tremosine stellen die Transportmöglichkeiten ein wesentliches Element dar. Seit der Antike hat der See die wichtigste Bedeutung gehabt. Lastkähne und andere Schiffe legten im Hafen von Tremosine an (oder, falls sie zu groß waren, blieben sie draußen und entluden auf kleinere Boote), dessen Kai noch von der Gardesana aus zu sehen ist, und brachten Menschen und Waren. Erstere erreichten Pieve auf dem Porto-Weg zwischen den Steilwänden hinauf bis zur Piazza Cozzaglio. Der Transport der Waren geschah auf den Schultern der Träger. Der alternative, zwar längere, aber fϋr schwerere Lasten unverzichtbare Weg war der zwischen Limone – Ustecchio – Dosso di Croce (beim heutigen Friedhof von Voltino) – Brasa – Pieve. Andere Aufstiegswege waren der Ponticello-Weg (römichen Ursprungs?) zwischen Prabione (Tignale) und Cadignano, der weg ϋber den Nota-Pass zwischen dem Ledrotal und dem Bondotal, der alpine Weg ϋber den Tremalzo-Pass zwischen dem Tal d’Ampols und dem S. Micheletal.

Mitte des 19.Jhd. gab es in Tremosine weder staatliche Straßen noch solche der Provinz. Die 25 wichtigsten Verbindungen waren gemeindliche, ergänzt durch ein dichtes Netz von Muli-Pfaden und Fusswegen. Erinnern wir uns an die wichtigsten Trassen: Strada Presé von Pieve nach Vesio auf einer Spur unterhalb der heutigen Provinzstraße, vorbei an der Kirche von Priezzo und entlang dem oberen Brasa-Tal bei der ehemaligen Scudellari-Mϋhle; strada Cornale von Pieve nach Sermerio ϋber Arias, Pregasio, Cadignano, Prione; strada Simosegna fϋhrte von Vesio aus nach den Fucine und wurde dann zu Dei Pini bis Voltino; desgleichen begann strada Avrine in Vesio und ging nach Polzone, wo sie zur strada Frenzano wurde und nach Sermerio fϋhrte; strada Orsino fϋhrte von Vesio ins Bondotal; von Voltino aus ging eine Straße nach Limone und eine andere ins Val Fornaci; strada Gregöi verband Priezzo mit Musio und Sompriezzo; schließlich die strada Castone, sie fϋhrte von Pieve ϋber Castone, Le Valli, Secastello bis in das San Micheletal.

 

In der zweiten Hälfte des 19. Und zu Beginn des 20. Jhd. funktioniert zwischen dem Hafen und Pieve zwei Aufzϋge: Der “Berasi-Draht”, der oben beim alten Pfarrhaus (sϋdlich der Kirche) ankam, und der “Cozzaglio-Draht” mit der Ankunft auf der Terrasse des heutigen Hotels Miralago. Der erste Aufzug fuhr mit Hilfe von steinernen Gegengewichten und lief bis 1912. Die hinunterfahrende Trage wurde mit Steinen beladen, sodass ihr Gewicht die andere mit der Ware nach oben steigen ließ; die unten angekommenden Steine wurden dann in den See geworfen. Der zweite verwendete als “Motor” das Gewicht von Wasser: Auf jeder Trage war ein Faß befestigt, das beim Abfahren mit Wasser gefϋllt war und fϋr den Aufstieg entleert wurde. Der “Cozzaglio-Draht” war von 1906 bis 1931 in Betrieb. Während des Krieges waren noch zwei weitere motorisierte Seilzϋge fϋr militärische Zwecke installiert.

Die 11 km lange Straße Porto-Vesio, besonders eindrucksvoll auf dem seeϋberhängenden Stϋck (das man heute nach dem Bau des Tunnels nur zu Fuß begehen kann), wie auch auf der Strecke durch die Brasa-Sclucht, wurde 1913 vollendet. Ihre Förderer waren die beiden Priester Giacomo Zanini und Michele Milesi, welcher letztere zu der Zeit auch Gemeinderat war. Es mangelte nicht an Opposition gegen ihren Bau; die Leute sagten: “Was werden wir damit machen? Es wird Gras darϋber wachsen und wir werden die Schafe zum Weiden hinbringen..” Man ϋberzeugte jedoch den Abgeordneten Graf Vincenzo Bettoni vom Nutzen des Unternehmens und dieser interessierte den brescianischen Regierungschef Giacomo Zanardelli dafϋr. Mit einem Sondergesetz (312, 8.Juli 1903) wurde bestimmt, dass die Regierung fϋr die Hälfte der Arbeiten bezahlen solle, ein Viertel von der Provinz und der Rest von der Gemeinde ϋbernommen werden solle. Die Arbeiten begannen 1908 und dauerten vier Jahre, mit Fachleuten fϋr Sprengungen, die vorwiegend aus Serle angeworben wurden. Vier Tote gab es auf der Baustelle. Ihre Namen sind auf dem Gedenkstein eingraviert, der kurz vor der Camino-Brϋcke (der ersten, aufwärts, ϋber den Brasa) aufgestellt wurde. Der Konstrukteur und Leiter der Bauarbeiten war Arturo Cozzaglio, Geologe aus Tremosine, unterstϋtzt von vielen Technikern darunter Giuliano Massarani, Lelio Franchi, Tullio Massarani. Cozzaglio ersann brilliante Lösungen: Die Rϋckfϋhrung der Straße gegen den See hin nach der zweiten Brasa-Brϋcke (aufwärts), um ihren Verlauf zur Vermeidung einer ϋbermäßigen Steigung zu verlängern, und um zu verhindern, dass die Straße durch die labilen Kalksteinformationen von Corlor mit ihren feinen und nachgiebigen Schichtungen fϋhrte; die Umleitung des Flusses durch einen kϋnstlichen Tunnel, wobei das Flußbett im Grund der Schlucht fϋr die Straße genutzt wurde; der ring der Alto Brϋcke, ebenfalls in der Schlucht. Die Chroniken berichten, dass die Straße am Tage ihrer Einweihung (Mai 1913) von zahlreichen Automobilen befahren wurde, die mit Schiffen im Hafen anlangten, und von einer großen Menschenmenge bevölkert wurde, die aus der ganzen Provinz gekommen war.

 

Bald nach der Eröffnung wurde auch ein öffentlicher Bausverkehr eingerichtet, doch nur fϋr kurze Zeit. Auch am Beginn der zwanziger Jahre versuchte eine lokale Gesellschaft, einen Autobusdienst einzufϋhren. Der zu hohe Preis (10 Lire vom Hafen bis Vesio – während der tägliche Verdienst einer Frau in der Spinnerei in Campione 12 Lire betrug) sowie der geringe Verkehr ließen die Firma pleite gehen. Lange Zeit hindurch wurde die Straße von Karren benutzt, die Campione mit Brennholz oder Kohle belieferten und selten von wenigen Autos. Die Abzweigung nach Campione – heute fϋr den verkehr gesperrt – war während des ersten Weltkriegs offen. Die volle Nutzung der Straße wurde erst nach dem Bau der Gardesana Gargnano-Riva 1931 möglich.

Testi tratti dal volume "Tremosine: breve guida" di Gabriele Scalmana

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